Meine Arbeit im Wahlkreis

Rede von Ulla Meurer zur Barbarafeier in Hilfarth

Meldung 30.11.2009

Anlässlich der Barbarafeier in Hilfarth hat Ulla Meurer als erste Frau eine Rede halten dürfen. Mit einem Festumzug sind die Knappen von St. Barbara Hilfarth, einige befreundete Knappenvereine aus Herne, Lünen und Aldenhoven, Schacht III, die Mineralien- und Bergwerksfreunde und die Bergmannskappelle von Sophia-Jakoba zusammen mit Monika Rothers von der SPD, dem DGB-Kreisvorsitzenden Willi Claßen und anderen zu dem Gedenkstein zur Kranzniederlegung gezogen. Dort hielt Ulla Meurer die nachfolgende Rede:

Am 13. Februar 1957 wurden auf Sophia-Jacoba Wilhelm Gebhart und der Hauer Waldemar Latz aus dem Saarland verschüttet und konnten nur noch tot geborgen werden. Der Knappenverein St. Johann Rohrbach an der Saar gab dem verstorbenen Saarländer das letzte Geleit. Diese würdige Bestattung im Bergkittel berührte die 16 Kumpel von Sophia-Jacoba so sehr, dass sie wenige Tage später am 24. Februar 1957 den Knappenverein St. Barbara gründeten.

Heute mehr als 50 Jahre nach diesem Ereignis haben wir uns mit Ihnen, den Kumpeln der 1997 geschlossenen Zeche Sophia-Jacoba, den Mitgliedern des Knappenvereins St. Barbara Hilfarth im Bergkittel, den Mitgliedern des Fördervereins Schacht III, denen der Mineralien- und Bergbaufreunde und der Bergkapelle Sophia-Jacoba, die alle die bergmännische Tradition in Hückelhoven für die nachfolgenden Generationen aufrecht erhalten, den zahlreichen Gästen von befreundeten Vereinen von nah und fern und den Kommunalpolitikern der Stadt Hückelhoven hier versammelt und gedenken besonders der toten Bergleute, die ihr Leben in den Tiefen der Erde hier im Aachener Revier auf Sophia Jacoba verloren haben. Aber auch jener, die durch den schleichenden qualvollen Tod durch die hohe Staubbelastung an Silikose erkrankten und ihr Leben ließen. Sie sind jeden Tag eingefahren, um für uns die Anthrazitkohle abzubauen, die unsere Wohnungen und Häuser im Winter wärmte.
Der Beruf des Bergmanns war nie ein Beruf wie jeder andere. Tagein und tagaus fahren Sie in den Berg ein. Sie wissen niemals, ob der Berg, der mit dem schwarzen Gold sie und ihre Familien ernährt, auch ihr Grab sein wird.
Eine besondere Form der Kameradschaft verbindet Bergleute auch hier in Hückelhoven heute noch – 12 Jahre nach der Schließung von Sophia - Jacoba – miteinander. Eine Kameradschaft, die sonst in unserer Gesellschaft nur noch selten anzutreffen ist. Sie, die letzten Kumpel im Aachener Revier waren untertage auf den Kameraden nebenan angewiesen. Er konnte Lebensretter, aber auch zu Rettender sein. Sie mussten sich aufeinander verlassen. 100 %ig. Das schweißt ein Leben lang zusammen. Übertage haben die Familien zusammengehalten, sich gegenseitig unterstützt bei Krankheit und unverschuldeter Not. Diese Tradition setzen vor allem Knappenvereine wie St. Barbara Hilfarth mit Krankenbesuchen, Besuchen bei Mitgliedern in Altenheimen aber auch bei Hochzeiten, Taufen und Geburtstagen fort.
Lassen Sie mich stellvertretend für alle, die im Buch von Franz Josef Sonnen, dem letzten Betriebsratsvorsitzenden von SJ, genannten 325 Bergleute, die seit dem Beginn des Kohleabbaus hier in Hückelhoven ihr Leben ließen, einen herausgreifen.
Vor 50 Jahren in der Nachtschicht vom 24. auf den 25.8.1959 ließ Karl Sebastian, Lehrhauer aus Krafeld sein Leben. Er war gerade erst Vater eines gesunden kleinen Jungen geworden und wollte in dieser Nacht nicht einfahren. Wäre lieber bei Frau und Kind geblieben, um das ewige Wunder neuen Lebens zu bestaunen. Schließlich machte er sich schweren Herzens auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz, zum Streb aus Diagonal 33 im Revier 23. Durch Steinfall bei der Gewinnung ließ er sein Leben.
Karl war ältester Bruder von 10 Geschwistern.
Zur Frühschicht an jenem Morgen wollte sein jüngerer Bruder einfahren. Gemeinsam mit den Kollegen musste er warten, weil ein Kumpel aus dem Berg tot geborgen werden musste – sein Bruder Karl.
Lassen Sie uns hier am Gedenkstein gemeinsam an alle verstorbenen Bergleute denken, an ihre Frauen und Kinder, Eltern und Geschwister, Freunde und Freundinnen.
Glückauf

 

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